Motivation und Zielsetzung
Update 16.04.2020

Zu Beginn der Covid-19 Epidemie war sich die Fachwelt mit Verweis auf die Entwicklung in anderen Ländern noch einig, dass eindringlich vor einem ungebremsten exponentiellen Anwachsen der Fallzahlen zu warnen sei.

Beispielsweise rechnete Prof. H. Lesch im ZDF-Kanal Terra-X am 20.03.2020 vor, dass bei weiterhin ungebremstem exponentiellem Wachstum in damals ca. 8-11 Tagen die Schwelle von 40.000 (!) Neuinfektionen pro Tag  in Deutschland überschritten sein würde. Spätestens ab dann wären die Intensivkapazitäten deutscher Krankenhäuser kollabiert: https://youtu.be/Fx11Y4xjDwA.

Die 11 Tage hatte Deutschland am 31.03.2020 ohne diesen Crash überlebt. Ein Blick in das RKI-Dashboard* zeigt aktuell ein Allzeithoch von 6.526 gemeldeten Neuinfektionen pro Tag, gemessen am 02.04.2020:
*Stand 15.04.2020 um 00:00. Die Zahl kann sich durch Nachmeldungen noch im Promille-Bereich erhöhen.

Für weitere damalige Prognosen und Warnungen zum befürchteten exponentiellen Wachstum siehe z.B.

https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/coronavirus-die-wucht-der-grossen-zahl-e575082/

https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-act-today-or-people-will-die-f4d3d9cd99ca

Wie erklärt sich nun aus heutiger Sicht diese gewaltige Gefahrenüberschätzung durch die damaligen Prognosen? Nun, als wissenschaftlich denkender Mensch hätte man wohl bereits in der letzten Märzwoche die Hypothese des exponentiellen Wachstumsmodells (für Deutschland) in Frage stellen müssen. Das Thema war damals jedoch noch absolut sakrosankt. Stattdessen wurde beständig darauf verwiesen, dass die sog. "Verdoppelungszeiten" sich mittlerweile täglich erhöhen würden, siehe z.B.

https://www.deutschlandfunk.de/coronavirus-aktuelle-zahlen-und-entwicklungen.2897.de.html?dram:article_id=472799

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/coronavirus-echtzeit-karte-deutschland-landkreise-infektionen-ausbreitung

Implizit unterstellte diese Sprechweise, dass es sich eben immer noch um ein langsam sich abschwächendes Exponentialwachstum handele, das man nur über diese Kennzahl beschreiben könne.

Dagegen stelle ich nun meine Auswertungen im Dashboard und weise auf Basis der offiziellen RKI-Daten nach, dass die Zahl der gemeldeten Infizierten bereits seit dem 20. März in sehr guter Näherung nur noch linear angestiegen ist. Statt umständlich verwirrende  Verdoppelungszeiten zu bemühen, hätte es daher genügt, einfach nur gemittelte Zuwachszahlen pro Tag zu monitoren. 

Das wesentliche Kriterium meiner Analyse gegenüber dem Mainstream besteht darin, bestmöglich an die Datensätze gefittete Kurven über möglichst aussagefähig lange Zeiträume zu erstellen, anstatt vermeintliche Kennzahlen aus jeweils nur 2 Werten an aufeinanderfolgenden Tagen zu gewinnen.

Den Grund für den damaligen Rückgang kann die Datenanlyse natürlich nicht aufdecken, hier sind die Experten gefragt. Eins ist jedoch klar, Schulschließungen gab es erst ab Anfang KW 12 und die strikten Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen ab Anfang KW 13. Da Auswirkungen dieser Maßnahmen sich frühestens 2 Wochen danach auswirken konnten, können sie hier noch keine Rolle gespielt haben. Eine Diskussion hierzu hat leider bis heute nicht sattgefunden (logisch, hat ja noch niemand die Frage bisher gestellt ;-)).

Somit komme ich zu meinen wesentlichen Zielen auf diesen Seiten:

  • Auf Basis der offiziellen Daten eigene Auswertungen zu fahren, um das aktuelle Wachstumsverhalten von Covid-19 quantitativ und qualitativ besser zu verstehen, weiter nachzuverfolgen und graphisch überzeugender darzustellen.

  • Die somit gewonnenen Daten den Grippewellen 2018-2020 (Daten ebenfalls vom RKI gegenüber zu stellen, um die Größenordnungen im Vergleich besser einordnen und auch zur Diskussion weitergeben zu können.

Als  Hinweis an alle technisch-naturwissenschaftlich geprägten Leserinnen und Leser, bei den hier dokumentierten Ergebnissen handelt es sich im Prinzip um reine "Fleißarbeiten". Die zugrundegelegte Mathematik bewegt sich auf Erstsemester-Niveau. Hier geht es nicht darum, neue Wissenschaft zu verkünden, sondern Standardmethoden auf aktuell DAS brennendste Thema in unserer Gesellschaft anzuwenden.

Betonen möchte ich noch, dass meine Arbeiten keine epidemologisch oder gar medizinisch fundierten Anlaysen ersetzen und schon gar nicht Empfehlungen für operative Maßnahmen beinhalten, sondern lediglich den mathematisch-statistischen Hintergrund beleuchten. Auch handelt es sich bei allen hier publizierten Kennzahlen um globale Aussagen für das jeweils untersuchte Gebiet, für eine differenzierte Analyse nach regionalen Substrukturen fehlen mir die Rohdaten.

Weiterhin möchte ich sicherheitshalber klarstellen, dass hier immer nur von gemeldeten Infizierten die Rede ist. Über die Dunkelziffer der tatsächlich Infizierten mag es unterschiedliche Schätzungen geben, Klarheit wird man erst über Massentests an repräsentativ ausgewählten Bevölkerungsgruppen erhalten, siehe z.B.

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/coronavirus-massentests-innenministerium-suedkorea-covid-19
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/coronavirus-studien-muenchen-heinsberg-1.4870858

Schließlich kann natürlich auch noch eingewendet werden, dass all diese Ausführungen wenig bedeuten, solange man nicht weiß, wieviele Tests denn täglich durchgeführt werden und ob beobachtete Veränderungen nicht durch veränderte oder limitierte Testkapazitäten bedingt sind. Aber mit diesem Argument könnte man natürlich auch jede andere der weltweit geführten Diskussionen abschießen, insbesondere auch die in Deutschland gerade beginnende Diskussion über mögliche Wege zurück ins normale Leben.

Ich beabsichtige, die begonnenen Auswertungen nach Möglichkeit noch so lange fortzuführen und weiterzuentwickeln, wie es erkennbaren Bedarf gibt, Darstellungen der Mainstream-Medien nachzubessern oder zu korrigieren. Hierbei werde ich auch bereits online gestellte Ergebnisse regelmäßig um aktualisierte Daten ergänzen und ggfs. darauf hinweisen, falls sich hieraus neue Erkenntnisse ergeben. Auf Updates in diesem Sinne werde ich in meinen Links entsprechend hinweisen. Wer übrigens Interesse an den original Dateien im Excel-Format hat oder mich gar bei der Weiterentwicklung unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, sich zu melden (E-Mail Adresse s. Fußzeile).

© April 2020, Dr. Florian Nill

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